Mi

24

Feb

2010

Time Modeling

Ist Zeit modellierbar? Daß Zeit stehenbleiben kann, ist ein Phänomen, das für Liebende mit Leichtigkeit gelebt wird. Die Annäherung, die Berührung, ein Kuss ist die sanfte Entführung in eine andere Dimension; vorausgesetzt, beide Menschen geben sich hin. Der Versuch, in Meditation zu sein, ist eine Möglichkeit, die Zeit aufzuheben. Das ist manchmal ein Kinderspiel, manchmal ist es wirklich schwer, Gedanken, Unruhe und Lebensangst abzustellen und zu überwinden.

 

Tanzen ist eine wunderbare Möglichkeit, die Zeit zu vergessen. Je wilder der Tanz, desto besser ein Gespür für den Raum, für die Energien, die den Raum füllen. Auf dem schmalen Grat zwischen Kontrolle und Trance öffnen die körperlichen und geistigen Kräfte die Tore zur Zeitlosigkeit. Diese Bewußtheit ermöglicht eine irdische Präsenz, die den Tänzer und die anderen Tanzenden schützt.

 

Wenn die Tore der Bewußtheit geöffnet sind, modellieren das Höhere Selbst und das irdische Sein neue Zeitdimensionen. Während Ängste verhindern, daß sich das Herz und die Intuition öffnen, so schaffen Liebe und Vertrauen ein Leben im Zeitfluß, geben Raum für das Notwendige und Zeit für das scheinbar Unmögliche. Wenn alles Licht wird, ist Zeit modellierbar. Wenn ich eins mit der Liebe werde, löst sich die Zeit auf.

 

Location:

Künstlerhaus Göttingen

www.kuenstlerhaus-goettingen.de

 

 

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Mo

22

Feb

2010

Eternity

In jedem Jahr öffne ich ein Zeitfenster; die Luft, die sich durch das Fenster bewegt, ist erfüllt von meinem jetzigen Leben und öffne ich das reale Fenster, so strömt frische Luft in meinen Raum. Das Datum ist ein magisches Datum, und dennoch bin ich jedesmal verwundert, überrascht und freudig erregt, daß die Erinnerung sanft in mein jetziges Leben dringt.

Ich komme nicht in Versuchung, das Fenster rasch zu schließen. Ich wandere durch die Öffnung in meine Vergangenheit, suche nach Spuren, die in mir geblieben sind. Weil ich weiß, daß das Gedächtnis alles speichert, was ich je erlebt habe, versuche ich, meine Suche lebendiger zu gestalten. In diesem Jahr habe ich mehrere Tage das Fenster zu dem Tag geöffnet, von dem ich seit heute vor achtunddreißig Jahren das Kalenderblatt in meinem Gedächtnis aufbewahre.

An dem Tag war ich sehr aufgeregt, schon früh am Morgen war mir klar, daß ich nicht umhin konnte, mein Leben zu verändern. Das hing zwar von mir ab, doch die Entscheidung lag nicht bei mir. Mein Körper war gerade siebzehn; mein Mund hatte schon öfter geküßt, liebe Münder, zarte Lippen, für einen kurzen Moment, immer wieder himmlisch und erregend zugleich. Das Leben zeigte sich in seiner schönen Seite seiner Einmaligkeit, in seiner zeitlichen Begrenztheit. Und nun wünschte ich mir mehr.

Als ich das Fenster zur Vergangenheit öffnete, sah ich die Antwort auf meine Frage, all die Orte, die wir aufsuchten, um uns vorsichtig zu nähern, intensiv die erste Fläche des Zusammenseins entdeckten. Der erste Kuss an diesem Abend war ein Geschenk, menschlich und göttlich zugleich. Die Zeit schien mir stehen geblieben zu sein. Das Gemeinsame, das wir zusammen erlebten, löste sich in jedem wieder auf, veränderte all das, was vorher war.

Die Erinnerung, die immer gerne wiederkehren darf, erzählt mir, daß dieser liebe Mensch seinen Platz in meinem Herzen gefunden hat. Auch, wenn wir schon seit langem unterschiedliche Wege gehen. Richtig ausgedrückt, so sagt mein innerer Beobachter, sollte es wohl heißen: Ich habe ihr einen Platz in meinem Herzen gegeben.

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Sa

20

Feb

2010

Gestalten

Das Projekt Zeiträume lebt von der Idee, daß wir Menschen Schauspieler sein können. Das Leben ist die Bühne; das Stück inszenieren wir gerne selbst und in der Regel lieben wir es, wenn wir die Hauptdarsteller sind. Als Künstler liebe ich die Inszenierung - sowohl die eigene als auch die der anderen Menschen, die ich sympathisch finde.

 

Beim Fotografieren schaue ich gerne nach, ob das Bühnenbild stimmig ist. In einem Café achte ich darauf, daß die Formen, Linien und Farben den Protagonisten in seinem Schauspiel unterstützen. In der künstlerischen Bearbeitung kann ich die ersten Ideen mit Filtern verstärken, manchmal retuschiere ich einzelne Elemente, um die Bildaussage zu forcieren. Störende Elemente dürfen radiert werden; und Schauspieler, die ich nicht um Erlaubnis gefragt habe, können die Bühne verlassen, so daß es später keine Aufregung wegen des Rechts am Bild gibt.

 

Langsam stellt sich die Frage der Gesamtkonzeption. Ein lichtes Passepartout in hellen Gelbtönen, ein weicher Schattenrand ist mein Bühnenbild für das Theaterleben, das sich im eigentlichen Bild befindet. Die Idee ist geboren, will verfeinert und auf alle Bilder angewandt werden. Das Anfertigen dieser Räume erfordert wieder Zeit. Das Projekt Zeiträume gebiert neue Zeiträume, die in ihrer Vielschichtigkeit dem Leben ähneln.

 

Dem künstlerischen Bild sehen wir in der Regel nicht die vielen Prozesse an, die es durchlaufen hat. Und genau diese Vielschichtigkeit, das Durchleben von Situationen vor, während und nach der ersten Begegnung macht künstlerisches Leben so faszinierend. Das Transformieren der Aufnahmen in eine neue Dimension schafft für mich eine Parallele zur Spiritualität.

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Fr

19

Feb

2010

Zeiträume

Zeiträume ist ein dynamisches Projekt. Es folgt Impulsen, nicht einem Konzept. Die Idee entstand Ende Januar im Worldcafé Göttingen am Bahnhof. Ich experimentierte, fotografierte und löschte die Aufnahmen, weil ich den Standard habe, Menschen grundsätzlich um Einverständnis zu bitten, wenn ich sie fotografieren möchte. Und zwar vorher, bevor ich als Fotograf in die Intimsphäre eines anderen eindringe.

 

Doch an diesemTag merkte ich, wie schön die spontanen Aufnahmen geworden sind - und daß ich den Löschvorgang schmerzlich wahrnahm. Ein paar Tage später passierte es mir schon wieder, daß ich einen Menschen ohne Erlaubnis fotografierte. Sicherlich ist es ein großes Geschenk, Menschen unbemerkt beobachten und fotografieren zu dürfen, weil es ein hohes Maß an Natürlichkeit und Ehrlichkeit ermöglicht.

 

Bei diesem Arbeiten ist es mir wichtig, nicht aufdringlich zu sein. Viele Momente sind herzliche Wahrnehmung; ein Spielen mit Mensch in Raum und Zeit, ein Komponieren mit Farben, Formen und Linien. Die Perspektive ist eine der Verbindungen von Zeit und Raum; der Mensch in seiner Bewegung - oder in seiner Stille - verkörpert eine zeitliche Dimension im Raum. Und wie der Mensch im Bild seinen Platz findet, ist ebenfalls eine Möglichkeit, ihn in meinem Zeit-Raum und in seinem Raum- und Zeitgefüge wahrzunehmen und darzustellen.

 

Natürlich frage ich hinterher um die Erlaubnis. Dabei mache ich die Erfahrung, daß es ein Verständnis für die spontane Fotografie gibt. Oder ich bekomme die Erlaubnis vorher.

 

Das Projekt  macht mir viel Spaß, weil es mir erlaubt, auf unterschiedlichen Ebenen mit Menschen künstlerisch zu arbeiten.

 

Das Fotografieren, die künstlerische Bearbeitung und die Kommunikation - all das gehört zusammen, um dann das Projekt in die Öffentlichkeit zu begleiten. Ich habe mich entschlossen, nicht lange zu sammeln, sondern möglichst zügig zu arbeiten und die Bilder unmittelbar zugänglich zu machen.

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